Lern- und Übungsstunden-Konzept

Die Diskussion um die Hausaufgabenproblematik hat das Kollegium der Kooperativen Gesamtschule Norderney im Schuljahr 2014/2015 bewogen, über alternative Lern- und Übungsstrukturen nachzudenken. Insbesondere die Schwierigkeiten der Schülerinnen und Schüler bei der selbstständigen Erledigung ihrer Hausaufgaben und die häufig hohe Anzahl an fehlenden Ergebnissen und Lösungen hatte die Einführung von Lern- und Übungsstunden (kurz: LÜ-Stunde), anfangs noch unter dem Namen Vertiefungsstunden, für die Klassen 5 bis 7 ab dem Schuljahr 2015/2016 zur Folge. Das Konzept gibt den Lernenden im Rahmen des teilgebundenen Ganztagsschulbetriebs und als rhythmisierendes Element Gelegenheit, ihre Lern- und Übungsaufgaben (ehemals: Hausaufgaben) in der Schule zu erledigen.

Die Teilnahme der Schülerinnen und Schüler am Lern- und Übungsstundenmodell erfolgt freiwillig; nach schriftlicher Anmeldung durch die Erziehungsberechtigten ist ihre Teilnahme jedoch für ein Schulhalbjahr verbindlich. Nicht teilnehmende Schülerinnen und Schüler erledigen die Lern- und Übungsaufgaben zu Hause.

Alle Schülerinnen und Schüler der Jahrgänge 5 bis 7, d.h. sowohl am Modell teilnehmende als auch nicht teilnehmende Lernende, führen selbstständig und verbindlich ein Logbuch, in dem sie die zu erledigenden Lern- und Übungsaufgaben an dem Tag notieren, an dem sie die Fachlehrkraft gestellt hat, und dokumentieren die vollständige Erledigung am Ende der LÜ-Stunde bzw. zu Hause. Für die engbegleitete Einführung in den Umgang mit dem Logbuch sowie die regelmäßige Kontrolle zeigen sich die Klassenlehrkräfte in Jahrgang 5 verantwortlich. Zu Beginn des Schuljahres stellt die Schule den Jahrgängen 5-7 ein solches Logbuch kostenlos zur Verfügung; bei Verlust des Logbuchs muss kostenpflichtig im Sekretariat ein neues angeschafft werden.

Die Fachlehrkräfte (bzw. dazu beauftragte Schülerinnen und Schüler) dokumentieren die zu erledigenden Aufgaben transparent und eindeutig an der Tafel und/oder im Klassen- bzw. Kursbuch. Generell gilt, dass die in einer Klasse unterrichtenden Lehrkräfte die Wohldosierung der Lern- und Übungsaufgaben so untereinander abstimmen, dass die Schülerinnen und Schüler sie in der zur Verfügung stehenden Unterrichtszeit vollständig erledigen können. Zur Erledigung nicht fertiggestellter Lern- und Übungsaufgaben zum Ende der LÜ-Stunden dient die verbleibende Zeit, die sich aus der Beachtung des vorgegebenen Richtwerts für den maximalen Zeitaufwand von Hausaufgaben für Lernende der Sekundarstufe I von wochentäglich einer Stunde ergibt (vgl.: RdErl. d. MK v. 22.3.2012 – 33-82100 (SVBl. S. 266) – VORIS 22410 -).

Jahrgang: Anzahl LÜ-Stunden: Aufgabenstellende Unterrichtsfächer: Verbleibende Zeit gemäß Richtwert:
5 3

(= 135 Minuten)

nur die Hauptfächer (Deutsch, Englisch, Mathematik) 165 Minuten
6 4

(= 180 Minuten)

nur die Hauptfächer (Deutsch, Englisch, Französisch, Mathematik) 120 Minuten
7 2

(= 90 Minuten)

schwerpunktmäßig die Hauptfächer und die Nebenfächer (unter Beachtung des Richtwerts und unter Berücksichtigung der Belastbarkeit der Lernenden) 210 Minuten

 

In Klasse 5 werden wöchentlich drei und in Klasse 6 vier LÜ-Stunden erteilt. Klasse 7 bildet eine Übergangsphase, in der teilnehmende Schülerinnen und Schüler die Aufgaben sowohl in den wöchentlich zwei LÜ-Stunden als auch zu Hause erledigen, da sie ab Klasse 8 Hausaufgaben in allen Fächern selbstständig zu Hause oder in der Hausaufgabenbetreuung des Ganztagsbetriebs bearbeiten. In der Regel handelt es sich bei den LÜ-Stunden angesichts der Rücksichtnahme auf nicht teilnehmende Schülerinnen und Schüler um Randstunden im Stundenplan.

In den Jahrgängen 5 und 6 stellen lediglich die Hauptfachlehrkräfte (Deutsch, Englisch, Mathematik und ab Klasse 6 Französisch) Lern- und Übungsaufgaben. Auch in Jahrgang 7 liegt der Schwerpunkt der Lern- und Übungsaufgaben auf den Hauptfächern, jedoch können (müssen aber nicht!) auch die Nebenfachlehrkräfte unter Beachtung des oben genannten zeitlichen Richtwerts und unter Berücksichtigung der Belastbarkeit der Schülerinnen und Schüler entsprechende Aufgaben stellen. Vokabellernen, Lektüre, Mappenführung und die Vorbereitung auf schriftliche Lernkontrollen sind für alle Jahrgänge darüber hinaus in der Regel zu Hause zu leisten (siehe: unten).

Die Fachlehrkraft stellt nur solche Lern- und Übungsaufgaben, die selbstständig und ohne fremde Hilfe bearbeitet werden können und das im Fachunterricht Gelernte einzuüben und zu vertiefen helfen. Daher erfolgt die Bearbeitung der Aufgaben in der Regel in Einzel- und Stillarbeit aber auch in leisen Austauschphasen mit den Mitlernenden, sowie auch um eine tragfähige Arbeitsatmosphäre zu gewährleisten. Bei Problemen und Unklarheiten steht die LÜ-Stundenlehrkraft für Hilfestellungen zur Verfügung. In den LÜ-Stunden werden damit begleitend Arbeitstechniken vermittelt, die die Lernenden an selbstständiges Arbeiten heranführen und dabei unterstützen, Verantwortung für den eigenen Lernprozess zu übernehmen.

Einzel- und Stillarbeit

(mit möglichen leisen Austauschphasen)

·         Lernende bearbeiten die Lern- und Übungsaufgaben selbstständig

·         leises Flüstern mit der LÜ-Lehrkraft (oder ggf. anderen Schülerinnen und Schülern) ist erlaubt

 

Dokumentation am Ende der LÜ-Stunde

·

erledigte Aufgaben werden im Logbuch notiert (letzte Spalte)

 

Sind die zu vereinbarten Lern- und Übungsaufgaben vor Ablauf der LÜ-Stunde bereits vollständig erledigt, setzen sich die Lernenden in einer Differenzierung nach Umfang mit weiterführenden Aufgaben auseinander, welche die Fachlehrkräfte ebenfalls bereitstellen, z.B. durch einen Differenzierungsordner oder durch Tafelanschrieb, oder die Lernenden nutzen die zur Verfügung stehende Zeit für Vokabellernen, Lektüre, Mappenführung und die Vorbereitung auf schriftliche Lernkontrollen. Aus diesem Grund ist es erforderlich, dass stets in allen LÜ-Stunden die Arbeitsmaterialien aller Hauptfächer vorliegen.

 

Stand: 19. Februar 2019